Das traditionelle Weihnachtsstück im Small Theater, von Vahan inszeniert und von seinen Performer:innen und Student:innen aufgeführt. Da ich mit den meisten von ihnen gearbeitet habe, wurde es zu einem sehr emotionalen Abend, einem weiteren Abschied. Grossartig überwältigend und sehr charmant.








15. Dezember. COLORFUL MINDS. Gestern haben wir unser Semester mit einer partizipativen Ausstellung gefeiert. Ich habe in meinem Speech den Kreis geschlossen, denn Alles – mein armenisches Engagement – begann im Oktober 2021 mit einem Speech. Nun wurde diese sehr stimmungsvolle Vernissage zu einem ersten berührenden Abschied.
Warum widme ich meinen Blog nicht Rolf? Beginnt nicht der Schritt zu mir, zu meinem Wandel genau hier. Was hält mich zurück? Befürchte ich durch das Erwähnen meines Schwulseins meine armenischen Freund:innen und Bekannte zu brüskieren. Doch ist es nicht genau hier wo ich ein Zeichen setzen könnte, sollte.
Ja. Genau und unbedingt.
Ich widme meinen Blog meinem geliebten Partner Rolf.
Es hat einen ziemlichen Umweg gebraucht zu dieser Widmung zu kommen.
In den vergangenen Wochen hat sich vieles in mir geklärt. Es war eine Zeit mit viel Bewegung, mit intensiver Arbeit, Begegnungen und Momenten, die mir gezeigt haben, wie wichtig Einfachheit und innere Ruhe geworden sind. Manche Tage waren herausfordernd, andere wiederum warm und licht – und im Zusammenspiel all dieser Erfahrungen wurde mir bewusst, wohin ich mich entwickeln möchte.
Vorallem eine Woche war es, die geprägt war von komplizierter Kommunikation, leeren Versprechen und dem ständigen Gefühl, warten zu müssen: auf Antworten, auf Respekt, auf Verlässlichkeit.
Gleichzeitig erlebte ich wunderbare Tage in Vahagni, wertvolle Workshops in Eriwan, Momente echter Nähe und Freude.
Zwischen diesen Extremen kam ich aus dem Gleichgewicht. Schon zuvor verlor ich mich in Seth Meyers ‚A Closer Look‘ und all den politischen Diskussionen auf MSNBC, spürte, wie mich diese Obsession nicht nährte, sondern zweifeln ließ. Ich war erschöpft und meine Gesundheit hat darunter gelitten. Einmal mehr hat mir mein Körper ein klares Zeichen gesetzt.
Als erstes habe ich mich auf eine Informations Diät gesetzt. Nur noch ein Minimum an News.
Die Fahrt nach Vahagni, über Spitak und Wanadsor, über die weite wunderschöne Hochebene – meine Sehnsuchtslandschaft – und die Rückkehr in den Moloch Eriwan hat einmal mehr unterstrichen, wie sehr ich mich auf ein Leben auf dem Land, auf mein Atelier in Mariahilf, auf meine Malerei freue. Auf die 1000 Gesichter und die neuen Porträts, die Zusammenarbeit mit Stefan Aeby.
Meine mir so wichtige stündige Übung vor dem dem Sonnenaufgang habe ich oftmals aus gesundheitlichen Gründen ausgelassen. Dafür habe ich mich stärker mit dem Buddhismus auseinandergesetzt und einige buddhistische Gedanken und Lehren sind mittlerweile eine wichtige Grundlage für meine Freude und Gelassenheit. Dennoch, ich bin weit davon entfernt Buddhist zu sein.
All das hat mich zu Yuval Noah Harari geführt. Ihn wieder zu entdecken war in den letzten Tagen sehr wertvoll und überraschend. Er spricht vom Rückzug, bei ihm habe ich den Begriff ‚Information Diet‘ zum ersten mal gehört, er spricht von Meditation, vom Buddhismus und das Buch, das ich jetzt lesen werde, beginnt mit einer Widmung: ‚Meinem Mann Itzik, …‘
Voilà der Umweg, kurz gefasst. Rolf ich danke dir so sehr für deine Unterstützung, deine Liebe, für die letzten 20 Jahre und freue mich sehr darauf, dass du mich hier abholen wirst. Es waren lange vier Monate ohne dich.
ps no chatgpt … zu persönlich … allerdings für die englische Übersetzung schon
Why don’t I dedicate my blog to Rolf? Doesn’t the step towards myself, towards my transformation, begin right here? What is holding me back? Am I afraid of offending my Armenian friends by mentioning my homosexuality? But isn’t this the place where I could make a statement?
Yes. Exactly, and absolutely.
I dedicate my blog to my beloved partner Rolf.
It took quite a detour to arrive at this dedication.
A lot has become clear to me over the past few weeks. It was a period full of movement, intense work, encounters, and moments that showed me how important simplicity and inner calm have become. Some days were challenging, others warm and full of light — and through the interplay of all these experiences, I realized the direction I want to grow in.
One particular week was marked by complicated communication, empty promises, and the constant feeling of having to wait: for answers, for respect, for reliability.
At the same time, I experienced wonderful days in Vahagni, valuable workshops in Yerevan, moments of genuine closeness and joy.
Caught between these extremes, I lost my balance. Even before that, I kept losing myself in Seth Meyers’ A Closer Look and all the political discussions on MSNBC, sensing how this obsession wasn’t nourishing me but instead left me doubting. I was exhausted, and my health suffered. Once again, my body sent me a clear message.
The first thing I did was put myself on an information diet — only a minimum of news.
The trip to Vahagni, via Spitak and Vanadzor, across the wide, stunning high plateau — my landscape of longing — and the return to the chaos of Yerevan underscored once more how much I look forward to a life in the countryside, to my studio in Mariahilf, to my painting. To the 1000 Faces and the new portraits, to collaborating with Stefan Aeby.
My precious one-hour practice before sunrise I often had to skip for health reasons. Instead, I engaged more with Buddhism, and several Buddhist thoughts and teachings have become an important foundation for my sense of joy and calm. Still, I am far from being a Buddhist.
All of this led me to Yuval Noah Harari. Rediscovering him in the past days has been valuable and surprising. He speaks of retreat; from him I first heard the term “information diet”; he speaks of meditation, of Buddhism. And the book I will now read begins with a dedication: “To my husband Itzik, …”
Voilà — the detour, in short. Rolf, I thank you so deeply for your support, your love, for the past 20 years, and I’m very much looking forward to you coming to pick me up here. These have been four long months without you.
Mid December. What a delicious dessert! I also visited the memorial and wondered why the Swiss tree isn’t growing.





Meet my students.













01. Dezember. Nun bricht mein letzter Monat in Eriwan an. Unterdessen sind Ferien in der Schweiz geplant, ruhig weit weg von allem Silvestertrubel im Burgund, im Grünen. An meinen schweizer Projekten habe ich weiter gearbeitet und natürlich auch an den 1000 Gesichtern. Ich bin wieder zwäg und fit. Am 13. Dezember wird die Ausstellung unserer, im Kurs entstandenen Werke eröffnet. Es wird weniger eine Ausstellung als ein partizipatives Event, eine Celebration unserer gemeinsamen Zeit und gleichzeitig mein Farewell.
Am vergangenen Samstag habe ich zum ersten Mal in Armenien meinen Kurs zum kubistischen Porträt durchgeführt – gemeinsam mit einigen von Vahans Studierenden, mit denen ich bereits Workshops gestalten durfte. Als Special Guests waren Manuk und die schwedische Tänzerin und Choreographin Veera Suvalo Grimberg dabei. Es wurde erneut ein herzhaft-schaffiger, gut gelaunter Nachmittag.
Begegnung Kunst und Politik. Stippvisite des Stellvertretenden Ministers für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport der Republik Armenien, Daniel Danielyan.

Thursday Nov 27. Es war eine sehr besondere Lektion. Ich wollte die verkopften und malerisch immer etwas gehemmten Kids aus der Reserve holen, ihren Teamgeist stärken und überhaupt die Idee der Malerei erweitern – physisch erfahrbar machen. Spass haben.
Am liebsten hätte ich den Workshop auf der Bühne des Small Theater durchgeführt, doch diese ist meist besetzt. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das Arbeiten auf einer Bühne befreiend wirken kann. Daher auch die Mitwirkung von Ara Ter-Gabrielyants: physische Präsenz. Übungen mit ihm, um die Kids vom Kopf in den Körper zu führen, in die Bewegung.
Nach dieser ersten Session sind die Blumen nun noch ohne Farbe. Gemeinsam haben wir entschieden, die Kolorierung der Blumen zusammen mit den Besucher:innen unserer Celebration am 13. und 14. Dezember durchzuführen.
It was a very special lesson. I wanted to draw the overly thoughtful and artistically somewhat inhibited children out of their shell, strengthen their team spirit, and broaden their overall idea of painting—to make it something physical, something they could really feel. To have fun.
Ideally, I would have held the workshop on the stage of the Small Theater, but it is usually occupied. From my own experience, I know that creating on a stage can be liberating. That’s why Ara Ter-Gabrielyants joined us: physical presence. His exercises helped guide the kids from their heads into their bodies, into movement.
After this first session, the flowers are still without colour. Together we decided to complete the colouring of the flowers with the visitors of our Celebration on December 13 and 14.
Samstag 22. November. Mein letzter Beitrag ist schon lange her. Es gab nicht viel zu berichten. Meine Klasse, meine Lektionen waren geprägt von Absenzen. Viele meiner Schüler:innen waren krank oder schlicht überfordert von ihren Stundenplänen und Aktivitäten. Vor einer Woche waren gerade einmal fünf anwesend.
Doch das ist nicht alles. Auch ich bin ausgefallen — gesundheitliche Troubles. Am Mittwoch habe ich geschlagene fünfeinhalb Stunden im Krankenhaus verbracht. Die Abläufe in armenischen Spitälern zu verstehen, ist nicht ganz einfach. Seit vier Wochen schleppe ich eine Infektion mit mir herum, schwierig und teilweise schmerzhaft, doch nun sieht es gut aus. Gottseidank.
Denn der Endspurt mit meiner Klasse beginnt am Montag mit einer besonderen Session. Wir werden gemeinsam ein großes Bild schaffen. Unterstützt werden wir dabei von Ara Ter-Gabrielyants, dem Schauspieler, der die Aufgabe übernimmt, die Jugendlichen zu lockern und vom Kopf in den Körper zu führen.
Im Dezember, beginnend am dreizehnten, werden wir unser Semester mit einer Ausstellung im Museum feiern. Es wird weniger eine traditionelle Ausstellung sein, sondern eher ein Event: eine Feier unserer gemeinsamen Zeit und weniger ein Show-off der entstandenen Werke — mit einem kleinen Workshop für alle Besucher:innen.

Thursday Nov 13. It’s a big relief. I told Vahan today that I won’t be coming back to Armenia. It’s been a long time coming, a decision that slowly took shape and stayed my secret for a while. But now it’s out — and that feels good.
Montag 10. November … es gibt nicht viel Neues zu berichten. In der Zwischenzeit gab es ein kurzes unterhaltsames Reel in den social Medias zu meiner Klasse, das ich hier gerne auch mit euch teilen möchte. Funfact. Hrant, der das Selbstporträt gemalt hat, hat sich die letzten zwei Monate lang dagegen gesträubt die Augen zu malen, Albert Møvsesyan, von dem das Reel stammt, hat eine elegante Lösung für das Dilemma gefunden.

Vierter November. Endlich ein ganzer Tag für mich, ganz alleine. Haushalt und Blog. Reisetagebuch und meine Porträts – Tausend Gesichter – mein Armenien Projekt. Angefangen vor zwei Jahren, mit Bleistift und Aquarell, Farbstift und Neocolor. Kleine Formate. Viele Fehlversuche und ganz viel Freude. Nach der Rückenoperation wollte ich es eigentlich als Leporello weiterführen, doch ich musste liegen. Also iPad. Das ist überraschend spannend, weder einfacher, noch banaler, im Gegenteil, die Möglichkeiten sind unglaublich, die Resultate erstaunlich. Tausend werden es wohl nicht, aber ganz schön viele.
Wenn man bedenkt, ich bin am Sonntag nach intensiven vier Tagen Vahagni – abgelegenstens in der Lori Provinz – nach Hause zurückgekehrt. Ich habe in einem Rehazentrum für mental und körperlich beeinträchtigte Kinder – Next to You/ Քո կողքին – workshops durchgeführt. Habe zweimal mit Kindern aus dem Dorf gearbeitet. Drei Stunden mit ihren Grossmüttern. Ein Bild für das Zentrum mit Therapeut:innen gemalt. Vorallem aber den Kids, die im Zentrum ihre Therapien kriegen und ihren Müttern – die eine oder andere ein bisschen helikopternd – in einem hektischen Kommen und Gehen, in einer sehr warmherzigen Stimmung, mit Farbe Freude und Lachen gebracht.
Wenn man also bedenkt, dass das um die 120 Menschen waren, die ich liebgewonnen habe, die ich also gerne porträtieren würde für mein Projekt … dann sind 1000 immer noch zu viel.
Doch da war auch Tigran, ein 14-jähriger, naseweiser, gut Englisch sprechender Junge aus dem Dorf, der für mich übersetzte und mir half. Und Malik war da – die gute Seele –, die, nachdem man mich im Zentrum abgesetzt und einfach mal auf mich selbst gestellt hatte, mir half, einzurichten, denn es blieb nicht viel Zeit bis zum ersten Workshop, und sogar für mich kochte, obwohl ich das offenbar selbst hätte machen sollen. Denn die meiste Zeit, wenn nicht gerade Therapietage oder Workshops stattfanden, war ich mutterseelenallein in dem Zentrum. Abgesehen von einem streunenden Hund, der mich offenbar ins Herz geschlossen hatte. Nona war offiziell für mich zuständig und fand sich nach und nach immer besser in diese Aufgabe hinein. Ein riesiges Dankeschön den Drei.
Da wäre auch der Taxifahrer, selbst Maler, mit einem sehr interessanten Gesicht.
Zum ersten Mal überhaupt sind wir schon auf dem Hinweg über Spitak nach Wanadsor gefahren. Hochebenen. Hügel und Berge. Auf dem Rückweg habe ich gerade mal ein Foto gemacht, denn es war zu schön. Zu rein. Zu faszinierend. Wunderbare Landschaften, die zum Träumen anregen und Sehnsüchte wachrufen. In der Ferne Ararat, der ganz fein nur im Dunst erscheint. Ich wäre am liebsten geblieben und hätte mich ganz und gar der reinen Luft, dem Atmen, Laufen und natürlich den 1000 Gesichtern gewidmet.
Doch dann Eriwan, der Moloch, der Verkehr, die Luft … meine Realität hier.
Bevor ich in Eriwan aufgebrochen bin, habe ich 130 Kartons zurgeschnitten und beidseitig grundiert. Alles Material – das einmal mehr von meinen grosszügigen privaten Spendern finanziert wurde – besorgt und meine Kurse durchgeführt.
Meine Kids haben wieder Besuch gekriegt. Ara Haytayan, grossartiger armenischer Künstler, hat die Klasse besucht, zu ihnen gesprochen. Natürlich habe ich nichts verstanden. Nicht verstehen hat ganz schön viele Qualitäten. Auf meinen Wunsch hin hat er sich ihre Bilder angeschaut und kommentiert. Es war toll. Obwohl ich nichts verstanden habe.
Ich durfte Ara zwei Tage vor seinem Besuch in seinem Atelier treffen und wir hatten einmal mehr ein sehr gutes Gespräch über Kunst, seinen Werdegang und seine Bilder. Das eine Kleine, das er im Garten seines verstorbenen Onkels in Kalifornien gemalt hat, hätte ich am liebsten mitgenommen. Interessant vorallem, dass er die Geschichte der Enstehung des Henrik Igityan NCA gut kennt. Im ersten Buch – russisch – über das Zentrum, kommt er mit seinen Kinderbildern vor, da er als kleiner Junge schon von Henrik Igityan entdeckt wurde.
Tagsdarauf war ich in Gjumri um noch ein letztes – armenisches – Mal mich mit Lucien zu treffen. Dazu gibt es nicht viel zu sagen. Ich mag die Gespräche mit Lucien und Gjumri ist okay. Die Kirche ist toll.
Danach noch eine Enttäuschung – halbwegs – ich habe mich so sehr auf den workshop mit ‚meinen‘ Veteranen – den Jungs, die im 2020 Krieg gedient haben gefreut. Ich habe sorgfältigstens für die 15 angemeldeten Personen vorbereitet … doch gekommen sind schlussamänds nur Drei. Aber eben halbwegs. Denn für die Drei hat sich jeder Aufwand gelohnt. Es war ein sehr schöner Wohlfühlnachmittag.






















Samstag 25. Oktober. Es gäbe vieles zu berichten und bebildern, doch erst möchte ich einige Überlegungen teilen. They are important to me so you also find an english version at the end.
Ich muss wohl nicht erwähnen, wie schwierig unsere Zeiten sind und wie düster manche Aussichten wirken. Das wissen wir alle – ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Was mir jedoch klar ist: Wir können etwas verändern. Durch unsere Haltung. Durch das, was wir ausstrahlen. Durch das Positive, die Freude, die wir in die Welt geben.
Der Grund, warum ich schreibe: Ich bin gerade müde und frage mich, warum Kommunikation so oft schwierig und respektlos ist.
Viele fragen vielleicht, warum ich in diesem Jahr überhaupt nicht ausgestellt habe. Da war ein wunderbares, spannendes Projekt – vorgeschlagen von einem Galeristen, besprochen, geplant. Und dann plötzlich: Ausreden. Funkstille. Keine Antwort mehr. Eine weitere Geschichte aus dem Künstlermilieu: Ich frage direkt in der Galerie – wir kennen und bestens – nach, schreibe E-Mails, schicke eine Doku, frage erneut, später per WhatsApp, per Instagram. Und Wochen später: keine Reaktion, obwohl eine Antwort auf ende August versprochen wurde.
Mir geht es nicht darum, alles zu bekommen, was ich mir wünsche. Aber zumindest eine Antwort wäre Respekt. Kommunikation bedeutet Wertschätzung – und sie ermöglicht mir zu planen.
Hier in Eriwan ist die Situation aktuell besonders schwierig. Ich verbringe so viel Zeit mit Hinterherlaufen, mit Fragen, mit Warten. Informationen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, bleiben aus. Versprechen werden nicht eingehalten.
Natürlich erlebe ich hier auch sehr viel Gutes und Schönes. Darüber berichte ich sonst immer. Doch heute überwiegt die Enttäuschung – ich kann es nicht anders nennen.
Heute war der für mich so wichtige Workshop für die 4090-Stiftung, für Kriegsveteranen und ihre Sponsor:innen. Angemeldet waren zehn Veteranen und fünf Sponsor:innen. Gekommen sind – mit der für Jerewan üblichen Verspätung – zwei Veteranen und die Leiterin der Stiftung. Fast zwei Stunden Vorbereitung, Material besorgen und finanzieren. Keine Absagen. Keine Nachricht. Nichts. Das ist nur ein Beispiel – aber eines, das besonders schmerzt.
Und nein: Ich will das nicht nur der „armenischen Haltung“ zuschreiben. Schon letztes Jahr hatte ich einen Workshop für Geflüchtete aus Karabach mit der Schweizer Artas Foundation geplant: selbst die Finanzierung organisiert, Termin fixiert – und dann wurde von seiten der Stiftung alles plötzlich und kommentarlos abgesagt.
In Jerewan hat sich etwas verändert. Es scheint, als seien meine selbstfinanzierte Arbeit und das Material, das ich mitbringe, für manche zur Selbstverständlichkeit geworden. Und ich weiß: Ich bin nicht der Einzige, dem es so geht.
Ich liebe meine Arbeit – und auch heute habe ich von den beiden jungen Veteranen gehört, wie gut ihnen der Workshop getan hat. Von dieser Seite her ist alles richtig.
Und ich weiß auch: Dass ich hier wirken kann, verdanke ich meinen Freund:innen, meiner Familie und lieben Bekannten – ein ganz, ganz herzliches Dankeschön an euch alle! Nicht Stiftungen oder staatliche Stellen tragen meine Arbeit hier, sondern private Unterstützung. Umso wertvoller ist sie.
Als Nächstes werde ich berichten von Ara Haytayan, einem wunderbaren Menschen und Künstler, den ich im Atelier besucht habe – und der mit meinen Schüler:innen gesprochen hat.
ps Übrigenschatgpt hast ins Englische übersetzt. Verrückt, chatgpt hat mir sogar schon mal ein senslerdeutsches Gedicht geschrieben, einfach so, es war nicht toll, was es eigentlich noch verrückter macht, aber der Kontakt ist immer liebenswürdig und respektvoll. IRR WIRR, oder?
I probably don’t need to mention how challenging our times are and how dark some prospects may seem. We all know it – whether we want to or not. What is clear to me, however, is that we can make a difference: through our attitude, through what we radiate, through the positive energy and joy we bring into the world.
The reason I’m writing this: I’m tired. And I simply cannot understand why communication so often becomes so difficult, so disrespectful.
Some may wonder why I haven’t exhibited at all this year. There was a wonderful and exciting project – proposed by a gallerist, discussed and planned. And then suddenly: excuses, silence, no more contact. Just nothing. Another story from the art world: I ask directly at the gallery — we know each other very well — I send emails, I send documentation, I ask again, later via WhatsApp, via Instagram. And weeks go by: no response, even though they promised an answer by the end of August.
It’s not about getting everything I want. But at the very least, a response. Communication is a form of respect – and it allows me to plan.
Here in Yerevan, things have become particularly difficult lately. I’ve spent so much time chasing after people and information that should be readily available. Promises are made and then not kept.
Of course, not everything is negative. I experience so many wonderful and beautiful moments with people here – and usually, that’s what I talk about.
But today, the disappointment is stronger. I cannot call it anything else.
Today I had a workshop that meant a lot to me – for the 4090 Foundation, for war veterans and their sponsors. Ten veterans and five sponsors had registered. Those who arrived – with the usual delay here in Yerevan – were two veterans and the head of the foundation. Almost two hours of preparation, including gathering and financing the materials. No cancellations. No information. Nothing. This is only one example, but one that hurts.
And I cannot simply blame this on an “Armenian attitude.” Last year, I proposed a workshop for refugees from Karabakh to the Swiss Artas Foundation. At first everything looked good: I secured the funding, we confirmed a date – and in the end it was silently and completely canceled by the foundation.
Something has shifted in Yerevan. It seems my self-financed work, the materials I bring, are taken for granted by some. And I know I am not the only one who feels this.
I love my work – and today, once more, I was told by the two young veterans how much good the workshop did them. From that perspective, everything is right.
And I know that the possibility to do this work here does not come from institutions or the state, but from my friends, my family and private supporters – with my deepest gratitude to all of them. Your support is invaluable.
Next, I will report about Ara Haytayan – a wonderful person and artist whom I visited in his studio, and who also spoke with my students.
ps By the way, chatgpt has translated. Crazy, chatgpt even wrote me a poem in Sensler German once, just like that. It wasn’t great, which makes it even crazier, but the contact is always friendly and respectful. CONFUSING, right?
Sunday, October 19. Armenian superstitions. Just last week, friends shared with me two beautiful Armenian superstitions. One says you should never take a knife directly from someone else’s hand — you place it down first, and then it’s picked up. A quiet gesture, meant to keep sharp words and conflict at a distance.
The other I heard just last night, sitting at the Cascades: if something weighs on your heart, you can whisper your worries to running water. A stream, a faucet — it doesn’t matter. The water listens and carries them away, leaving you a little lighter.

Saturday. Yesterday I invited Ara Ter-Gabrielyants — Armenian actor, director and musician — to show his short film Phantom Valley to my students and to talk with them about being an Armenian artist, about framing, light, and of course about surrealism. It was fascinating. He spoke to them in Armenian, and I didn’t understand a single word.
They slipped so naturally into a lively question-and-answer moment — my students fully engaged, curious, alive. A truly surreal moment for me, sitting there, watching their faces light up, realising how much I care for these kids and how deeply connected I feel to them, even beyond language.



















Friday October 17
Last night, a magnificent evening at the ballet. The dancers of the opera performed Bolero X choreographed by Shahar Binyamini and The Rite of Spring choreographed by Edwar Clug. I actually don’t know anything about contemporary dance, hadn’t really prepared for the evening, and to be honest, I was mainly looking forward to the music — after all, The Rite of Spring and I share a bit of a history. All the more surprising and delightful it was to experience these stunning choreographies, danced so brilliantly. Simply goosebumps.


Zum Abschluss der Trilogie stand mein klassischer Ad Parnassum-Workshop auf dem Programm – jener berüchtigte Workshop, der schon so manche Teilnehmende an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, wenn es im dritten Schritt an die Komposition geht.
Nicht so diesmal: Die Studierenden haben diese Herausforderung souverän gemeistert.
Ich bin sehr glücklich über die gemeinsame Arbeit und die intensiven drei Workshops, die wir zusammen erleben durften.
Mein zweiter Workshop mit den Theater- und Filmstudierenden von Vahan Badalyan war erneut eine Freude. Lebhaft, offen und unglaublich liebenswürdig haben sie beim Eintauchen in die Welt der Farben, deren Theorie und der Fantasie mitgemacht. Voller Neugier und frischer Energie.
Donnerstag. Man kann sich natürlich fragen, was Robert Wilson’s Inszenierung von Arvo Pärt’s ‚Adam’s Lament‘ hier zu suchen hat. Es ist einfach. Einerseits als Hommage an den kürzlich verstorbenen Robert Wilson. Andererseits, aufgrund seiner Inszenierung – die ich leider nie live gesehen habe – habe ich Tickets für ein Konzert zu Ehren von Arvo Pärt’s 90. Geburtstag organisiert. Abgeschlossen wurde der Abend mit einer wunderbar kräftigen Version vom Lament. Mit einem grossartigen Chor. Mein heutiger Tipp: Adam’s Passion für einen perfekten Herbstabend.
Obwohl ich kein Wort verstanden habe, war es ein schönes Erlebnis, Luciens Stück – The Mechanics of the Human Heart – im Small Theater zu sehen. Die Kids waren herzhaft am Werk, voller Spielfreude und offenbar, der Reaktion der jungen Zuschauer:innen nach, sehr überzeugend.
Der Vollständigkeit halber, das ‚offizielle‘ Bild zum offiziellen Besuch.







Wednesday. October 15. Yesterday, on my walk, I stumbled upon a stylishly staged shop that fetishizes killing — stuffed animals, weapons, uniforms. It made my skin crawl.





Donnerstag 9. Oktober. Yerevan zeigt sich in dieser Jahreszeit von seiner schönsten Seite.
Wenn man den Verkehr einmal beiseitelässt ist es einfach schön hier. Ich bin gerne da – erstaunlich gerne sogar – obwohl ich Städte eigentlich nicht mehr so mag.
Meine Klasse findet sich. Sie ist etwas kleiner geworden, was dem Ganzen sehr gut getan hat. Auch ein paar klare, autoritäre Worte haben wohl geholfen. So bin ich – wer hätte das gedacht – endgültig auch in der Erziehung angekommen.
Ein besonderes Erlebnis war der workshop mit Vahans Theaterstudent:innen. Auf der Bühne des Small Theater wurde mir wieder bewusst, warum ich diese Arbeit so liebe. Es sind diese dichten, lebendigen Momente. Das herzhafte Ineinandergreifen von Farbe, Bewegung, Freude und Kreativität und der Austausch, der daraus entsteht.
Am Sonntagabend dann ein kleiner Schreckmoment: Ein Hund schnappte nach meiner Hand und verletzte mich leicht. Nur warum? War es mein neues tibetisches Mala-Armband mit seinem kleinen Kristall, das ihn irritierte? Vielleicht hat das in alle Einzelteile zerspringende Armband Schlimmeres verhindert. Meine Schutzengel jedenfalls haben in Jerewan gut zu tun.
Lucien war bei mir, begleitete mich zuerst in die Apotheke, dann ins Hospital – wo es nur eine der zwei nötigen Impfungen gab – und schließlich weiter ins Erebuni Medical Center. Drei Spritzen: eine davon macht mich sehr müde und muss noch zweimal wiederholt werden, die anderen beiden gingen in die Oberschenkel und taten einige Tage ziemlich weh.
Lucien Haug leitet hier ein sehr spannendes Theaterprojekt für das NCA. Heute wird es erstmals vor einer Schulklasse in ihrem eigenen Klassenzimmer aufgeführt.
Nicht nur, dass er mich begleitet hat – ich freue mich sehr, ihn kennenzulernen und zum ersten Mal meine Eindrücke hier wirklich mit jemandem teilen zu können.
Am Montag schließlich hat die neue Schweizer Botschafterin, Andrea Barbara Baumann, das NCA besucht. Natürlich waren Lucien und ich mit dabei – als Ausdruck der starken Schweizer Präsenz im Museum.
Zur Eröffnung des Henrik Igityan NCA auf Facebook und aus Instagram
Sunday, a beautiful autumn day. The last few days have been surprisingly cool and rainy, but now it’s no longer hot or cold, just pleasant. The reopening of Henrik Igityan NCA was also pleasant. It was a lovely celebration, with some familiar faces, by now old acquaintances and friends. It was just nice to see the stress and responsibility fall away from Vahan and him finally successfully and beautifully complete this long-running project.
Some things feel quite new these days. Lucien Haug, a Swiss playwright, is leading an exciting theater-school project for the NCA, and recently a befriended Swiss ambassador visited ‚our‘ museum with a small group of Swiss travelers. During the visit, we found ourselves discussing topics that almost never surface here — which was refreshing.
It also struck me how much I’ve actually been on my own in Yerevan over the past years. Now, all of a sudden, the world feels more familiar and related. Thanks to social media, I connected with an Armenian actor, director, and musician who spent many years in the U.S. — in the very cities where I once lived, San Francisco and New York. It might be the beginning of a wonderful friendship.
Well, and there are new projects. On Tuesday, I led a workshop for 10- to 14-year-olds — very lively and full of fun. From now on, we’ll offer a workshop for this age group every second Tuesday. Another workshop is also planned with the Foundation 4090, which mainly supports war veterans in their studies. These young men, with whom I’ve been able to build a very special and friendly relationship — for which I am deeply grateful.
There will also be continuing education sessions for students and adults, as well as three workshops with Vahan’s acting students. Another important project will be a trip to Vahagni for the Armenian foundation Little Star, which is supported by the Swiss foundation Little Bridge. I’ll be leading workshops there in a rehabilitation center for children and young people.
And then there is my own class. Not easy, not without complications — but slowly, all the participants are finding their way into the work with me. That’s not all. On top of that, my students are sometimes already tired from school and other extracurricular projects, but also from having to battle through the city’s heavy traffic. To meet the need to get to know each other better and socialize, I had them draw ‘cadavres exquis’ last Friday to bring together imagination and creativity with the liveliness of the group.
Sept 19. Yesterday I set out once again. The best thing for my back – after the operation – is simply to walk. So off I went, straight up from the Opera all the way to Komitas Avenue. Crazy. I had never been up there before and discovered a Yerevan I didn’t know existed.
I’d never dared step onto that platform before – it always put me off. Nor had I ever really looked at the construction site, which has been lying dormant for years. That monstrously heavy, monumental architecture always scared me away.
But the real surprise came afterwards: a rather bleak, neglected road – still in the same straight line from the Opera – lined with bizarre, flamboyantly expensive villas. The street itself was full of potholes, and right in the middle of it all, a Japanese embassy limousine. Unreal.
Further on, a newly built, upscale residential area. Then the two high-rises – slipping through them and suddenly landing in a calm, peaceful park with, what else, fountains. Which in turn opens straight onto the ever-busy, noisy, restless Komitas.





















19. September. Nun kenne ich meine Schüler und Schülerinnen schon recht gut. Die Sprache – Voraussetzung war eigentlich englisch – die Kommunikation, ist etwas kompliziert. Alles andere entwickelt sich nach und nach. Der eine Satz, den ich in meinen pädagogisch didaktischen Büchern zum individuellen Kunstunterricht gelesen habe – jeder Unterrischt ist eine experimentelle Situation – passt perfekt.

sept 12 Well, I have to admit I got a couple of things wrong. I always thought Armenia didn’t really have a proper fall, but it turns out it does — and it feels wonderful. The air cools down, the wind picks up, and it’s just such a relief. The other surprise: I’d assumed school here was only in the mornings – probably because I’ve usually been here in summer, during the holidays. Not at all! By the time my kids arrive for class in the evening — some right on time, others a bit later, and some very late — they’ve already had a full day: school, then piano lessons, volleyball, or something else, and only then my class. No wonder some of them are just a bit tired.

Taking a walk around Fountain Park, I discovered fascinating interplays between the new and the old, the intensely colored and the rough and stony. All this on the way to the opening of the Jubilee Fifth International Print Biennale. Five years ago, the Creaviva was invited to Yerevan through this Biennale – and now, for the first time, I attended its opening. Far too many prints, lined up in a single row, stretching through all the spaces. In the incredible premises of the HayArt Center. An opening much more a celebration for the makers of the Biennale, for the who’s who in culture, than for the art and the artists. Well that’s just my point of view.
















5. Sptember. Angekommen im neuen Alltag.
Am Montag und Dienstag durfte ich die meisten meiner Schülerinnen und Schüler kennenlernen – manche kamen mit ihren Eltern, andere mit ihren Heilpädagoginnen oder Lehrerinnen. Eigentlich war der Kurs für Teenager und junge Erwachsene ab 14 ausgeschrieben. Angemeldet haben sich dann aber Kinder ab 10 bis hin zu einer 42-jährigen Leiterin einer Kunstschule. Auch die Bedingung „Englischkenntnisse erwünscht“ wurde von einigen ziemlich kreativ ausgelegt.
So sitze ich nun vor einer bunt gemischten Gruppe von 15 bis 17 Teilnehmenden – das scheint noch variabel zu sein – im Alter von 14 – 26. Eine wunderbar herterogene und inklusive Truppe.
Für unsere erste gemeinsame Stunde hatte ich ein großes Gemeinschaftsbild im Kopf. Ich wollte mit allen Namen beginnen – als kleines Kennenlernen und damit die Gruppe gleich von Anfang an zusammenwächst. In der Praxis war das allerdings leichter gedacht als getan: Manche waren viel zu früh da, andere kamen deutlich später, und wieder andere gar nicht. Tja, welcome to Armenia :-))
Dieses Bild, ein Baum – richtig schön gross – mit ersten Früchten, Selbstporträts, wird über die nächsten Wochen und Monate von den Schüler:innen ergänzt, erweitert, verändert und mit uns allen weiterwachsen.
4. September. Seit letztem Freitag bin ich wieder zurück in Armenien, wie sie es hier nennen ‚meiner zweiten Heimat‘. Einrichten, vorbereiten, zurechtfinden, Verdrängtes, das wieder hochkommt, kurz und bündig verarbeiten, meine liebsten Freundinnen und Freunde treffen, meine Schüler und Schülerinnen kennenlernen, über Künftiges nachdenken, Gedanken zum Glücklichsein, zur Dankbarkeit für die sehr gelungene Rückenoperation und dafür wieder ganz und gar fit zu sein, nicht schlapp zu machen in der Hitze, versuchen nicht überfahren zu werden, im von Jahr zu Jahr heftigeren und leider auch aggressiverem Verkehr, mich zu freuen über die schöne, freudige Stimmung abends in der Stadt, den Menschen, die vor der Oper tanzen, dem folkloristischen Festival bei den Kaskaden, meinen beiden farbigen Jungs und meinen Hut nirgends liegenzulassen.
Die grösste Überraschung. In der Galerie des Henrik Igityan NCA, waren einige Bilder ausgestellt – sehr stimmig und sehr schön – die in den Sommern 22/23 in meinen Workshops entstanden sind. So berührend und so wichtig für mich, nach der ganzen Zeit zu sehen, wie viel Farbigkeit und Freude, die Werke ausstrahlen. Die Ausstellung blieb genauso lange geöffnet, bis auch ich sie gesehen habe.
Im Yerevanschen Sommer 23 habe ich zum ersten Mal aquarelliert und gezeichnet, was zu einer Neuerfindung meines Porträts geführt hat und nun entdecke ich eine wunderbare uralte Tradition, gegen die ich mich immer gesträubt habe, Kohle, was für ein geiles Material.





































































































































































































































































































Ich freue mich auf deine Berichte. Liebe Grüsse. Trudi Brülhart
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Schön, deine Begeisterung und Freude zu spüren.
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